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Die nächste Folge der „Unpredictable Mountains“-Serie


Was bisher geschah…:

19.-23. Juni 2008: Solstein, 32°C, Sonne, nach zwei erfolgreichen Tagen wird die dritte Tour wegen zu großer Hitze abgebrochen.


Was jetzt geschieht:

19.-23.Juni 2009: Niedere Tauern, 3,2°C, Schneefall - im einzelnen:


Freitag, acht Uhr in Bonn: die Tannenbuscher Schülerklettergruppe packt vor dem Gymnasium einen Riesenstapel hochalpine Bergausrüstung in einen Kleinbus, aufgeteilt in „tragbare“ 15-Kilogramm-Rucksack-Portionen. Das Ziel: Eine Überschreitung des Dachsteins auf Gletscherwegen und Klettersteigen. Der Wetterbericht hat allerdings einen zumindest zweitägigen Kälteeinbruch vorhergesagt.

Sechs Autobahnstunden später zerfließt das große Ziel im Dauerregen: Der Hohe Dachstein steht, für uns unsichtbar, hinter einer dicken Wolkendecke, aus der es ohne Pause schüttet. Berge auch nur mittlerer Höhe, wenn sie kurz sichbar werden, sind schifahrfreundlich weiß. Aber auf der Südseite der Tauern soll es nicht ganz so grauslich aussehen.

Zwei Telefonate, ein kurzer Ausflug in den Supermarkt, und die Zieländerung ist perfekt: Statt zur Hochgebirgsdurchquerung geht es auf die unbewirtschaftete Neunkirchner Hütte in den Wölzer Tauern, nicht ohne Hoffnung, dass in zwei Tagen der Dachstein (bei klarem Wetter ist er in Sichtweite) vielleicht doch noch machbar sein könnte.

Die Herausforderungen sind ab sofort nicht nur bergsteigerischer Art: Beim Wenden vor der Hütte fährt sich unser Bus im Matsch fest. Zum Glück ist trotz Dämmerung und Dauerregen der Nachbarbauer mit dem Geländewagen und Seilwinde sofort zur Stelle. Die Hütte ist zwar gemütlich, hat aber für Städter Kulturschock-Qualitäten: Holzofen zum Kochen und Heizen, keine Steckdosen für Handy und PSP, kaltes Wasser und keine Dusche, Trinkwasser an der Quelle – und ein veritables Plumpsklo. Diverse Doku-Soaps lassen grüßen. Zum Glück gibt es Abendessen auf der benachbarten Alm.

Für die nächsten Tage ist Einüben archaischer Fähigkeiten angesagt: Holzhacken, Wasserholen, Feuer machen, Glut nicht ausgehen lassen… Sollte auch das Bergsteigen komplett ausfallen, so gibt es wenigstens Projektlernen in Geschichte.

Am Samstag hält der Dauerregen bis Mittag an, dann lüften sich die Wolken etwas und geben den Blick auf die Schneegrenze bei etwa 1700 m frei. Unser erster Vorstoß Richtung Berg endet auf knapp 2000m Höhe am Funkelsee, der heute nicht funkelt, sondern sich als dunkler Fleck im Einheitsweiß von Schnee und Nebel präsentiert. Wenigstens können wir weder über zu wenig Schnee zum Fall- und Brems-Training noch über zu wenig Wasser für die Trainingseinheit „Bachüberquerung unter erschwerten Bedingungen“ klagen.


Sonntags (laut Kalender Sommeranfang) ist es zumindest trocken – zunächst. Unser Ziel heißt Rettlkirchspitze, bzw. zunächst einmal: "vielleicht kommen wir auf der anderen Talseite höher als gestern".

An der ersten Steigung geben die ersten auf und gehen mit Frau Günther zurück zur Hütte. Der Rest der Gruppe zieht weiter – und wird natürlich an der Stelle mit der schlechtesten Orientierung, einer kleinen Hochfläche, von Nebel und Schneesturm erwischt. Der größere Teil der Wegmarkierungen ist schnell unter dem Schnee verschwunden. Mit vielen Pausen zur Routenkontrolle geht es langsam weiter, und schließlich stehen wir am Einstieg zur Rettlkirchspitz-Ostflanke. Das Wetter verbessert sich zusehends, plötzlich ist erstmals die Bergumgebung und der gesamte folgende Aufstieg zu sehen. Der wäre bei sommerlichen Verhältnissen wahrscheinlich ein Spaziergang, aber in der Winterlandschaft scheitern wir nacheinander an zwei möglichen Routen: für eine begraste, verschneite Felsrippe brauchten wir Seilsicherung; der direkte Durchstieg durch das zentrale Schneefeld sieht zwar ungemein lohnend aus, aber ohne Steigeisen müssen wir immer wieder Stufen schlagen, weil der Sturm die weiche Schneeauflage wegfegt und darunter eisiger Harsch durchkommt. Dadurch überschreiten wir unser Zeitlimit, und als der Sturm selbst das Stehen schwierig macht, brechen wir schweren Herzens ab. Der Höhenmesser bleibt bei 2292m, gut 100m unter dem Gipfel, stehen. Wir beschließen, morgen mit aller nötigen Ausrüstung und der ganzen Gruppe wieder zu kommen.

Daraus wird nichts: Am nächsten Morgen regnet es wieder, die Schneefallgrenze ist erneut gesunken, die Stimmung auch. Wir packen unsere Sachen, um für die letzte Nacht auf „eine Hütte mit Zivilisation“ zu wechseln. Sobald wir Handyempfang haben, ein Anruf Richtung Dachstein: Dort regnet es nicht, sondern schüttet seit Stunden. Also noch eine Bergkette weiter Richtung Süden: Da steht die „Bonner Hütte“ der Alpenvereins-Sektion Bonn, bei der wir mit dem Kleinbus vorfahren können, deren Hüttenwirtin Wilma für ihren Apfelstrudel und ihr Bergsteigeressen bekannt ist und deren Duschen im letzten Jahr frisch renoviert wurden. Den dortigen Hüttenberg, das Theuerlnock (immerhin ein echter Zweitausender!), erreichen wir nachmittags fast trocken, und am Gipfel liegt auch nur ganz wenig Schnee. Nur der Sturm bleibt uns treu.

Bei der Rückfahrt beginnt es ab dem Katschberg zu regnen, am Radstädter Tauern liegt, außer auf der Straße, eine geschlossene Schneedecke, und zwischen Salzburg und Ingolstadt kommt das Wasser kübelweise von oben. Der Verkehrsfunk meldet Überschwemmungen und Murenabgänge. Erst ab Nürnberg sind wir wieder auf dem Trockenen.

 

Bilder von der Fahrt gibt es hier.

 

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