|
Im Rahmen des Landesprogramms "1000x1000" trafen sich vom 13. bis zum 15.10. Jugendliche der JDAV-Schülerklettergruppe am Tannenbusch-Gymnasium und aus dem Jugendhaus Brücke in Tannenbusch zu drei gemeinsamen Klettertagen.
Die Schülerklettergruppe ist eine Kooperation zwischen dem Tannenbusch-Gymnasium und der Jugend der Sektion Bonn im Deutschen Alpenverein. Das Programm 1000x1000 unterstützt Sportvereine in NRW bei Projekten zur Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und zur Gesundheitsprävention mit je 1000.- Euro. Die JDAV war als einer von 18 Vereinen in Bonn ausgewählt worden. Ziel des Projekts war es, Jungen und Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund, die sonst wenig Kontakt miteinander haben, beim Klettern in "Zweierseilschaften" zusammenzubringen. Jugendhaus und Gymnasium sind zwar nur durch die Agnetendorfer Straße voneinander getrennt, aber allzu viel Berührungspunkte gibt es im Alltag nicht. Das Unternehmen hatten Wolfgang Kehren, Jugendreferent beim Deutschen Alpenverein Bonn und Lehrer am Tannenbusch-Gymnasium und Andreas Maly, Diplomsportlehrer im Jugendhaus Brücke, gemeinsam vorbereitet. Als Schluss- und Höhepunkt des Projekts war eine Besteigung des 20 Meter hohen Teufelsley-Felsens in der Eifel vorgesehen. Am ersten Tag standen Grundtechniken wie Kennenlernen der Ausrüstung, Knoten, Sichern, Abseilen im Vordergrund. Geübt wurde im Jugendhaus selbst und am städtischen Kletterturm in Bad Godesberg. Die Kletterhalle in Köln-Chorweiler war das Ziel für den zweiten Tag. Dort konnte neben Klettern auch das richtige Fallen in die Seilsicherung geübt werden. Die Mutigsten (und das waren schließlich alle) hatten außerdem die Möglichkeit, leichte Routen "im Vorstieg" zu klettern. Dabei ist der Kletterer auch mit dem Seil gesichert. Er fällt aber 1-2 Meter, bevor die Sicherung greift. Das ist, wenn man alle Regeln beachtet, ungefährlich, aber gewöhnungsbedürftig und erfordert eine Zusatzportion Mut. Der dritte Tag brachte sonniges, aber kaltes Wetter, sodass der Aufstieg auf die Teufelsley wie geplant in Angriff genommen werden konnte. Nach gut einer Stunde Bahn- und Busfahrt wartete sofort die erste Aufgabe auf die Teilnehmer: Der Felsen, der im dichten Wald steht, musste mit Hilfe eines GPS-Gerätes selbständig gefunden werden. Nach einer Stunde war diese Herausforderung bewältigt. Die Jugendlichen bestiegen die Teufelsley - der größte freistehende Quarzitblock Europas - in gemischten Seilschaften aus erfahrenen Kletterern und Kletterneulingen auf verschiedenen Wegen. "Wir haben die Teufelsley ausgewählt, weil sie zwar leicht und sicher zu besteigen ist, aber ohne Klettern kommt man nicht hinauf oder herunter - sie ist eben ein richtiger Berg", erläutert Wolfgang Kehren. Der Blick vom Gipfel über die Eifelwälder war für viele eine völlig neue Erfahrung. "Das ist unglaublich, dass man hier überall nur Bäume sieht", meinte Nasser, der vor fünf Jahren mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland kam. Der Abstieg, eine Abseilfahrt von 25m am teilweise freihängenden Seil, lieferte noch einmal eine Portion Nervenkitzel. Das Unternehmen war aus der Sicht aller Beteiligten ein voller Erfolg. "Wir hatten schon seit langem die Idee, mit den Jugendlichen in freier Natur zu klettern. Durch das Engagement der Schülerklettergruppe und das Landesprogramm 1000x1000 standen nun erstmals ein geeigneter Kooperationspartner und die nötigen Geldmittel zur Verfügung", so Werner Hergarten, Leiter des Jugendhauses Brücke. Werner Hergarten und Wolfgang Kehren können sich auch für die Zukunft vergleichbare Aktionen vorstellen.
Bilder vom Kletterprojekt finden sich hier.
|